Satzmodelle: Mitteilungssatz, Partnersatz

Hennig Brinkmann (Die deutsche Sprache, 2. A. 1971) unterscheidet zwei Satzmodelle [H.B. spricht zwar von Satzbauplänen, weiß aber, dass dieser Begriff bereits damals anders verwendet wurde], und zwar nach der Stellung der Personalform des Verbs.
Kurze Erklärung, was die Personalform des Verbs ist:
(1) gehen – das ist ein Verb in der Grundform (Infinitiv);
(2) auf dem Bürgersteig gehend – ‚gehend‘ ist Partizip I (infinite Form);
(3) aus dem Weg gegangen – ‚gegangen‘ ist Partizip II (infinite Form);
(4) Du bist mir aus dem Weg gegangen – ‚bist‘ ist Personalform, ‚gegangen‘ wieder Partizip II (zusammen bilden sie das Prädikat des Satzes);
(5) Du gehst mir aus dem Weg – ‚gehst‘ ist die Personalform (von ‚gehen‘), ist das Prädikat des Satzes.
Die Personalform des Verbs (Prädikat) entspricht in der Form dem Subjekt.

Nach dieser einführenden Erklärung kann die richtige Erklärung beginnen:
In normalen Sätzen (die also nicht „Nebensätze“ usw. sind), gibt es zwei normale Möglichkeiten, wo die Personalform des Verbs stehen kann. Beide Möglichkeiten werden durch je drei Beispiele vorgestellt:
1. Sätze mit Zweitstellung der Personalform dienen dem Austausch von Mitteilungen. Sie erlauben es, Gedanken auszusprechen, die von der jeweiligen Situation unabhängig sind (situationsfreie Rede):
(1) Früher als gewöhnlich / wurde / zu Mittag gegessen.
(2) Hierauf / bestellte / er eine Tasse Kaffe.
(3) Es / stieg / kein Laut aus der regunslosen Flut auf.
Brinkmann nennt dieses Satzmodell Mitteilungssatz.
2. Er unterscheidet davon den Partnersatz; das ist ein Satz mit Erststellung der Personalform, der an die Situation des Gesprächs gebunden ist und sich direkt an den Partner wendet:
(1) Öffne / das Fenster!
(2) Hast / du gestern den Vollmond gesehen?
(3) Hätte / ich doch nicht auf ihn gehört!
Frage und Aufforderung richten sich ohnehin direkt an den Partner. Auch der Wunsch, der im Widerspruch zum Gegebenen steht (Beispiel 3), ist direkt an den Partner gerichtet.
Diese Partnersätze sind ein weites Feld, wo es viele Regeln und Ausnahmen gibt; das fängt schon mit der Wortfrage (statt Satzfrage) an:
(4) Wann / hast / du den Vollmond gesehen?
Wir wollen hier nicht die Theorie Brinkmanns wiedergeben oder diskutieren, sondern nur die bedeutsame Unterscheidung der beiden Satzmodelle bewusst machen.

3. Es gibt auch Sätze, wo die Personalform am Ende steht: Sätze mit einer Endstellung der Personalform nennt man Glied- oder Teilsätze („Nebensätze“):
(1) Ich / gebe / dir Geld, damit du dir ein Kleid kaufen / kannst.
Die ersten vier Wörter machden den Hauptsatz aus, der blau gesetzte Satz mit „kannst“ in der Endstellung den Gliedsatz (dieser Satz ist Adverbial zum Hauptsatz, also dessen Satzglied).

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