Satzlehre – der deutsche Satz

Problem bzw. Fragestellung: Wie macht man als Sprecher aus den vielen Wörtern, die man kennt, eine sinnvolle Äußerung? Wie fügt man also mehrere Wörter so zusammen, dass sie einen richtigen Satz ergeben, den auch andere Leute verstehen? Darauf antworte ich in zwei Teilen:

A) Die grammatische Struktur des Satzes
(nach Wilhelm Schmidt: Grundfragen der deutschen Grammatik, 1973, 4. A., S. 246 ff.)
Der Satz ist die kleinste in sich geschlossene Einheit der Rede. Seine Elemente, die aufeinander folgen, gelten als gleichzeitig miteinander gesetzt. Das heißt: Der Satz ist eine funktionale Einheit.
a)  Der Satz ist eine Sinneinheit.
b) Er ist eine strukturelle Einheit. (s. dazu 2.!)
c) Er ist als Klangestalt unter einem Klangbogen zusammengefasst.
2. Der normale deutsche Satz ist zweigliedrig; er wird von der Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat bestimmt. Zwischen ihnen besteht eine Wechselbeziehung – alle anderen syntaktischen Beziehungen sind solche der Unterordnung. Subjekt und Prädikat stimmen in Person und Numerus (auch im Genus bei Prädikativen) überein, was man Kongruenz nennt.
3. Die finite Verbform bezieht die Aussage auf die Situation der Kommunikation:
a) Dem Subjekt wird eine Rolle im Gespräch zugeteilt: beteiligt (1. und 2. Person) oder unbeteiligt (3. Person).
b) Die finite Verbform wird zur Trägerin der Satzintention:
Das Subjekt ist Träger oder „Erleider“ der Verbhandlung (Aktiv-Passiv).
Die Verbform zeigt die Zeitauffassung der Aussage (Tempus).
Die Verbform zeigt die Einstellung des Sprechers zur Aussage (Modus).
c) Das Verb hält aufgrund seiner Valenz Stellen frei, die besetzt werden können oder müssen.

 B) Die acht Hauptsätze über den Satz

  1. Ein Satz besteht aus Satzgliedern; Satzglieder sind Teile, die bei der Umstellprobe verschoben werden können und erhalten bleiben.
    (1) Der Bauer / stellte / den Sack mit Körnern / am Feld / ab. = Den Sack mit Körnern / stellte / der Bauer / am Feld / ab. = Am Feld / stellte / der Bauer / den Sack mit Körnern / ab. [Beachte: Welches Wort steht immer an 2. Stelle?]
  2. Welche Angaben erforderlich sind, wird durch die Valenz des Prädikats bestimmt: Subjekt und Objekte (d.h. dadurch, welche Angaben gerade dieses Verb fordert): abstellen: wer? / wen oder was? – Das Subjekt steht im Nominativ, die Objekte im Akkusativ, Dativ, Genitiv oder im Anschluss an eine Präposition (glauben an …, vertrauen auf …).
  3. Das Prädikat wird vom Subjekt in Zahl und Person bestimmt; Subjekt und Prädikat bilden den Satzkern.
    (2) Ich gehe jetzt nach Hause; ihr geht bestimmt ins Schwimmbad.
  4. In allen Sätzen sind weitere Ergänzungen möglich (nähere Bestimmungen zu Ort, Zeit, Art und Weise oder Grund des Geschehens), die man adverbiale Ergänzungen nennt.
    (3) Oft stellt der Bauer, wenn er müde ist, den Sack mit einem Seufzer am Feld ab.
  5. Wenn ein Satzglied mittels eines Satzes gebildet wird, nennt man diesen einen Glied- oder Nebensatz; in Nebensätzen steht die Personalform des Prädikates in der Regel am Ende.
    (4) Ich weiß nicht, wer heute die Tafel putzen soll. (Nebensatz in der Funktion des Akkusativobjekts: Wen/was weiß ich nicht?) – Auch eine wörtliche Rede, die dann ein selbständiger Satz ist, kann Satzglied sein, ebenso ein satzwertiger Infinitiv: (5) Ich gehe ins Bad, um mich zu duschen.
  6. Oft gibt es innerhalb von Satzgliedern weitere Bestimmungen, die wir Attribute nennen. (Im strengen Sinn ist auch der Artikel ein Attribut; wir wollen ihn aber nicht als solches zählen.) Attribute können in Form von Relativsätzen gebildet werden, die auch zu den Nebensätzen zählen (aber nicht zu den Gliedsätzen – als Attribute sind sie keine Satzglieder). Nebensätze werden durch Komma(s) vom Hauptsatz abgetrennt.
    (6) Der junge Bauer aus Waat / will / sich / wie sein Nachbar, der sehr erfolgreich ist, / auf die Pferdezucht / verlegen.
  7. Es gibt noch weitere Satzglieder, die wir jetzt nur andeuten können, zum Beispiel die Satznegation oder das Prädikativ (Erläuterung zum Subjekt oder Objekt).

(7) Ich habe das Fahrrad wirklich nicht gestohlen. (Satznegation)

(8) Mein Vater war Holzschuhmachermeister. (Prädikativ: Gleichsetzungsnominativ)

(9) Er nannte seinen Sohn einen großen Fußballer. (Prädikativ: Gleichsetzungsakkusativ)

(10) Du bist heute müde. (Adjektiv als Prädikativ)

  1. Die Konjunktion, mit der ein Satz an einen anderen (oder ein Satzglied an ein anderes) angeschlossen (mit ihm verbunden: lat. coniungere) wird, ist kein Satzglied:
    (11) Ich kaufe mir ein Brötchen; denn ich habe Hunger.
    (12) Ich kaufe mir ein Brötchen, weil ich Hunger habe.
    Eine Anrede kann überall im Satz stehen; sie ist kein Satzglied
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