Konjunktionen, die Konjunktion “dass”

1. Konjunktionen sind Partikeln.
Wir gehen von ein paar Beispielen aus (vgl. Schülerduden Grammatik, 4. Aufl., Nr. [348]):
(1) Petra und Franziska spielen Schach.
(2) Petra spielt oft mit Franziska und mir Karten.
(3) Franziska arbeitet als Angestellte in einer Bank.
(4) Wenn sie das Fenster öffnet, spürt sie an den Füßen einen Luftzug.
Es geht um die fett gedruckten Wörter; das sind Partikeln, also Wörter, die nicht konjugiert werden (vgl. die Tabelle S. 34 f. im SD Grammatik).
Diese Partikeln (hier diese – es gibt noch andere Sorten!) kann man in zwei Gruppen einteilen:
a) in solche, die ein Wort oder eine Wortgruppe in einem bestimmten Fall einleiten;
b) in solche, die Wörter, Satzglieder oder Sätze einfach miteinander verbinden.
Die erste Gruppe heißt Präpositionen („vorangestellte“ Wörter), die zweite heißt Konjunktionen (Bindewörter).
Aufgabe: Teile die sieben fett gedruckten Wörter auf:
Präpositionen sind ________________________________________________,
Konjunktionen sind _____________________________________________________________.

2. Wozu sind Konjunktionen gut?
Mit ihnen kann der Sprecher Verschiedenes machen, wenn er Wörter, Satzglieder oder Sätze miteinander verbindet; er kann sie zum Beispiel einfach aneinder reihen:
(5) Sowohl die Jungen als auch die Mädchen haben es schwer, Konjunktionen zu verstehen. („sowohl … als auch“ hat den gleichen Wert wie „____________“.)
Er kann aber auch beides ausschließen, also verneinen:
(6) Weder die Borussia noch die Alemannia spielt zur Zeit gut in der Liga. („weder … noch“ habt den gleichen Wert wie „________________________________“.)
Der Sprecher kann auch mittels einer Konjunktion etwas begründen:
(7) Grammatik zu verstehen ist oft schwer; es gibt nämlich so viele neue unbekannte Begriffe und Gedanken.
[Warum steht zwischen „neue unbekannte“ (k)ein Komma? Prüfe es selber nach!]
Das sind nur einige Beispiele dafür, was ein Sprecher mit Konjunktionen machen kann. Wenn du einen kleinen Überblick bekommen willst, kannst du die Tabelle im SD Grammatik [350] anschauen.

3. Welche Sorten von Konjunktionen gibt es?
Es gibt (in einer bestimmten Hinsicht) zwei Arten von Konjunktionen: solche, die gleichrangige Teile miteinander verbinden, und solche, die (vereinfacht gesagt) Nebensätze mit Hauptsätzen verbinden (Subjunktionen). Diese zweite Sorte wird ausführlich im SD Grammatik in [560] ff. behandelt. So gibt der Sprecher zum Beispiel durch die Konjunktion „weil“ einen Grund für die Aussage im Hauptsatz an, durch „sodass“ ein Folge, durch „obwohl“ einen Gegengrund (oder Einwand); durch „als, nachdem, bevor“ werden die beiden genannten Ereignisse zeitlich einander zugeordnet usw.
Durch die Konjunktion „dass“ wird ein Nebensatz eingeleitet, in dem einfach eine Tatsache dem Verb des Hauptsatzes zugeordnet wird.

Die Konjunktion „dass“
- hat im Unterschied zu anderen Konjunktionen keine eigene Bedeutung,
- hängt von Ausdrücken ab, die die Wahrnehmung, Meinung oder Einschätzung einer Person (oder mehrerer) bezeichnen,
- leitet also einen Nebensatz ein, in dem eine bloße Tatsache formuliert wird:
a) Wahrnehmung:
Man sieht, dass es bald Regen gibt.
Ich erkenne, …
Er hörte, dass sich ein Auto näherte.
Wir bemerkten, …
b) Meinung (Wissen):
Ich vermute, dass du deine Leistungen noch steigern kannst.
Er nimmt an, …
Er glaubte, …
Sie bezweifelte, …
Ich dachte, …
Er konnte nicht ahnen, dass sich seine Lage bald verschlechtern würde.
Wir wissen, dass er ahnungslos in den Tag lebte.
** Davon abgeleitet, wenn das übergeordnete Verb zum Nomen wird:
An der Vermutung, dass du deine Leistung noch steigern kannst, halte ich fest.
Meine Annahme, dass du dich noch steigern kannst, war also begründet.
Der Glaube, …
Euer Zweifel daran, dass ich mein Versprechen halte, kränkt mich.
** Auch Wendungen wie “Tatsache ist, dass…” oder “Es ist unser Ziel, dass…” würde ich b) zuordnen.
c) Einschätzung:
Ich freue mich, dass du in zwei Wochen kommen willst.
Wir befürchten, …
Er hoffte, dass das Schlimmste überstanden sei.
** Davon abgeleitet, wenn das übergeordnete Verb zum Nomen wird:
Die Freude, dass du in zwei Wochen kommen willst, ist im ganzen Haus zu spüren.
Meine Befürchtung, dass du dich vom Sturz nicht so bald erholst, wurde bestätigt.
Dass man ohne zu arbeiten versetzt wird, ist eine trügerische Hoffnung.
** Davon abgeleitet, wenn Verb oder Nomen zum Adjektiv umgebildet werden:
Dass du in zwei Wochen kommen willst, ist für uns alle erfreulich.
Es ist erstaunlich, dass du dich so schnell in der neuen Klasse eingelebt hast.
Es war überraschend (wahrscheinlich, fürchterlich…), dass im gleichen Jahr der Krieg ausbrach.
d) Weitere Möglichkeiten:
So schön unsere drei Möglichkeiten aussehen, in der Praxis des Sprechens gibt es noch mehr! Etwa folgende:
(1) Er betete, dass seine Frau gesund würde. [Wunsch]
(2) Wir beschließen, dass Karnevalsmontag schulfrei ist. [pure Tatsache]
Vermutlich ist es am einfachsten, sich zu merken, dass durch den dass-Satz eine pure Tatsache (Tatsache in der Sicht des Sprechers) ausgedrückt wird.
** Offene Frage: Soll man Wendungen wie “sich darum bemühen, dass…” auch c) zuordnen?
Jung: Grammatik der deutschen Sprache (1990), ordnet die Wendungen “Er ist so schlau, dass ihn keiner reinlegt.” oder “Er ist zu schlau, als dass ihn jemand reinlegen könnte.” dem konsekutiven Verhältnis zu.
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Von der Konjunktion „dass“ unterscheidet sich das Pronomen „das“, welches am Anfang eines Relativsatzes sich auf ein Nomen (neutrum) im Hauptsatz zurückbezieht:
(1) Das Haus, das wir vor Jahren verkauft haben, ist gestern abgebrannt.
Am Satzanfang oder im Satz kann auch ein Pronomen „das“ stehen, welches sich auf den im vorhergehenden Satz genannten Sachverhalt zurückbezieht:
(2) Willi ist gestern gegen eine Mauer gefahren; das habe ich kommen sehen – er fährt ja wie ein Wilder!
(2)’ Willi ist gestern gegen eine Mauer gefahren; ich habe das kommen sehen – er fährt ja wie ein Wilder!

Wie wichtig die Konjunktion “dass” bzw. die dass-Sätze (der richtige Gebrauch von dass-Sätzen) sind, sieht man in dem verfehlten Gebrauch von Partizipien (-> Artikel über die Partizipien hier in dieser Kategorie!): Die fehlende Bereitschaft ist der Grund für…

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Ein Kommentar

  1. 14. März 2011 geschrieben in 10:25 | Permalink

    Tolle Arbeit! Danke schön fürs Veröffentlichen. Habe viel daraus gelernt.

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