Sachtexte und theoretische Texte analysieren (Textanalyse 2)

Argumentation in Sachtexten analysieren
Wozu soll das gut sein? Es soll dazu dienen, die sowohl in der Schule wie im Studium wie auch im öffentlichen Leben erforderliche Fähigkeit, Argumente vernünftig zu erörtern, zu erwerben; es soll eine im Abitur geforderte Qualifikation vermitteln.
Analysieren heißt: genau und bewusst zusehen, wie etwas gemacht worden ist, zu dem man vielleicht auch spontan schon Zugang gefunden hat. Aber wenn man eine Argumentation ernsthaft prüfen will, genügt es eben nicht, einen Gesamteindruck von ihr zu haben und sie paraphrasierend zu wiederholen; man muss schon genau aufspüren, wie sie angelegt ist.
Sachtexte sollen hier die Texte genannt werden, in denen argumentiert wird, ohne dass sie im strengen Sinn theoretische Texte wären. Es sind also etwa Texte aus den Feuilletons der großen Zeitungen, aber eben keine wissenschaftlichen Texte, auch wenn ihre Autoren Wissenschaftler sein können. Die in ihnen enthaltenen rhetorischen Züge sollen jetzt nicht beachtet werden, weil deren Untersuchung eine eigenständige Aufgabe ist. Wer sich damit befassen möchte, kann unter den Suchworten „Rhetorik“, „Argumentation“ oder „[richtig] argumentieren“ viele Hilfen und Hinweise im Internet finden, z.B.
http://www.rhetorik-homepage.de/
http://www.brainworker.ch/Dialog/argumentation.htm
http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/rhe0.htm
http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/index.html
http://www.rhetorik.ch/
http://www.ethik-werkstatt.de/a_Uebersicht_Ethikwerkstatt.htm
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ1/migration/toposdef.html
http://www1.hansenet.de/~gs/Argu/

http://abenteuer-rhetorik.podspot.de/rss

http://www.student-online.net/content/Rhetorik.pdf

http://www.rhet.de/uploads/ScriptRhetorik1a.pdf

http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg0.htm

Wie macht man das, die Argumentation in Sachtexten analysieren? Es gibt mehrere Verfahren, von denen ich drei vorstellen möchte. Das erste ist die einfachste Form; sie wurde als Aufgabenstellung beim Zentralabitur 2007 in NRW verwendet: „Stellen Sie den Argumentationsansatz und den Argumentationsgang des Textes unter Berücksichtigung der Darstellungsweise und der Argumentationsstrategie dar.“ Die zweite Form ist eine Verfeinerung dieser Form; in ihr wird das gesamte sprachliche Handelns des Autors detailliert beschrieben. Die dritte Form ist der Versuch, eine umgangssprachlich entwickelte Argumentation streng in Sätzen eines oder mehrerer Argumente zu erfassen.
Ich stelle diese drei Methoden, ihre Stärken und Schwächen kurz vor.

1. Methode
Argumentationsansatz, Argumentationsgang, Argumentationsstrategie beschreiben
Von Argumentationsansatz und Argumentationsstrategie ist in Lehrgängen für Führungskräfte und im politischen Streit oft die Rede; leider ist unklar, was genau damit gemeint ist.
a) In seinem Arbeitsblatt zur Analyse politischer Reden schreibt der Kollege Schinka:
„Enthält die Rede eine Argumentation, d. h., wird eine bestimmte Auffassung mit Gründen vertreten (weil, denn, deshalb, obwohl, dennoch etc.), so müssen Argumentationsansatz (explizite und implizite Voraussetzungen) sowie Argumentationsgang analysiert werden, d. h., der Text wird mit folgendem Begriffsinstrumentarium zerlegt: Aussage, Behauptung, Begründung, Grund, Argument, Beweis (in theoretischer Absicht), Rechtfertigung (in praktischer Absicht), Maxime, Norm, Beschreibung eines Sachverhaltes, Bekundung einer Absicht, Erläuterung, Bedürfnis, Interesse, Mittel, Ziel, Definition etc.“ (http://www.schinka.de/d11-reden.php3)
Was aber sind explizite und implizite Voraussetzungen?
Dagegen ist die „zentrale Problemstellung im gedanklichen Zusammenhang“ nach einer Anleitung der Uni Düsseldorf zur Vorbereitung auf die Prüfung im Fach Deutsch (für Berufstätige, die ein Studium der Medizin aufnehmen wollen) der Argumentationsansatz.
Vergleicht man beide Umschreibungen, muss man sagen: Der Begriff ist unklar. Er wird häufig verwendet, um einem Gegner fundamentale Unklarheit vorzuwerfen oder Kursteilnehmer zu elementarer Klarheit aufzurufen, ist aber weder in philosophischen noch in deutschen Wörterbüchern definiert.
b) Das Gleiche gilt für den Begriff der Argumentationsstrategie; er bezeichnet den umfassenden Plan des Vorgehens, dem die einzelnen Schritte untergeordnet sind. Insofern kennzeichnet die Datei „Argumentationsstrategien politischer Akteure“ (von Marcus Maurer) Argumentationsstrategien richtig; schwach und unzulänglich sind dagegen die Ausführungen von http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_strat.htm; die dort genannten vermeintlichen Strategien hießen besser Argumenttypen.
Der Argumentationsgang besteht aus den Schritten, die der Autor mit seiner Strategie vom Argumentationsansatz zum Ergebnis macht.
Der praktische Nutzen der drei Begriffe Argumentationsansatz, -gang und -strategie besteht darin, Schüler am bloßen Paraphrasieren eines Textes zu hindern und sie nach der im Text gegebenen Argumentation suchen zu lassen.

2. Methode

das sprachliche Handeln des Autors beschreiben
Diese Methode habe ich in dieser Kategorie „Methodisches“ unter der Überschrift „Theoretische Texte analysieren (Textanalyse 1)“ vorgestellt. Dort versuche ich,
a) die Wegmetapher für das Erfassen eines Gedankengangs fruchtbar zu machen,
b) die Argumentation kommunikativ zu begreifen (Autor – Leser),
c) dabei den Autor als die sprachlich handelnde Größe zu sehen.
Unter „Analyse von Sachtexten“ könnte man im Internet dazu Hilfen finden:
http://www.darlapp.de/Sachtextanalyse.htm
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/02/sachtexte_-_ihre_analyse
http://norberto42.kulando.de/post/2005/12/21/theoretische_texte_analysieren

http://www.fmg-mg.de/analysen.html
http://www.fachdidaktik-einecke.de/9b_meth_umgang_mit_texten/
(Beispiele: https://norberto68.wordpress.com/tag/textanalyse/)

3. Methode
die logische Form der Argumente erfassen
„Als Argument bezeichnen wir i. f. eine Folge von Sätzen, von denen einige – die sogenannten Prämissen – als Belege bzw. als Gründe für einen anderen Satz aus dieser Satzfolge, die sogenannte Konklusion, ausgegeben werden.“ (D. Föllesdal – L. Wallöe – Jon Elster: Rationale Argumentation. Ein Grundkurs in Argumentations- und Wissenschaftstheorie. Verlag de Gruyter, 1986, S. 244) Es gibt dann noch eine dritte Art von Sätzen, welche „Schritte auf dem Weg von den Prämissen zur Konklusion“ darstellen (S. 245).
Meinem Vorgehen bei der logischen Analyse von Sachtexten liegen mehrere Ideen zugrunde:
1. dass sich die „normalen“ Sachtexte in wenigen Sätzen erfassen lassen, wobei man den gesamten Text als Paraphrase dieser wenigen Sätze verstehen kann;
2. dass man diese wenigen Sätze in ihrem Zusammenhang sehen muss;
3. dass man sowohl die einzelnen Sätze wie den Zusammenhang überprüfen kann;
4. dass zur Überprüfung sowohl Sachkenntnis wie ein logisches Gespür oder elementare Kenntnisse des logischen Denkens erforderlich sind.
Um den genannten Zusammenhang darzustellen, greife ich gern auf das Schema Toulmins zurück. Dieses Schema ist nicht geeignet, alles, was die Logik heute zu bieten hat, auszudrücken; aber für den Hausgebrauch genügt es, und es ist immer noch besser als gar nichts. Sofern es gelingt, diese wenigen Sätze im Zusammenhang (nach dem Modell Toulmins) darzustellen, kann man sowohl die Geltung der Sätze wie die Logik des Zusammenhang überprüfen.
Ich gebrauche für die drei Arten von Sätzen die Buchstabenabkürzungen P (für Prämisse), F (für Folgerung oder Konklusion) und Z (für Zusatz); diese Abkürzungen sind von mir frei gewählt. [Man sollte ferner die Denkfigur des Einwandes, E, und der Auseinandersetzung mit einem Einwand kennen; außerdem muss man beachten, dass manchmal Prämissen stillschweigend als vermeintlich selbstverständlich vorausgesetzt, d.h. nicht genannt werden; man könnte sie (P) nennen.] – Diese 3. Möglichkeit ist auch als das Modell Stephen Toulmins bekannt (s. „Argumentation +Toulmin“ als Suchwörter). Sie ist strengste Form der Analyse, kann aber nach meinen Erfahrungen bereits in Klasse 10 von den Schülern verstanden werden:
http://teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_mod_toul_1.htm
http://www.brunnbauer.ch/wissensmanagement/index.php?title=Toulminkarte
http://www.isk.rwth-aachen.de/uploads/media/Referat_Toulmin.pdf
http://www-rohan.sdsu.edu/~digger/305/toulmin_model.htm
Wer sich in die seit fünfzig Jahren diskutierte Argumentationstheorie, die heute unter dem Namen „Pragma-Dialektik“ über Toulmins Schema hinauskommen will, einarbeiten will, sei auf Christoph Lumer: „Argumentation/Argumentationsstheorie“ (in: Enzyklopädie Philosophie. Felix Meiner Verlag, 1999, S. 88 ff.) hingewiesen; dazu auch die Links:
http://www.aulbach-philosophy.de/Argumentation/argumentation.html

http://www.rheton.sbg.ac.at/?page=articles&section (Zeitschrift, verschiedene Beiträge!)

http://www.frankzenker.de/downloads/Zenker%202008_Argumentationstheorie_RUB.pdf

http://noam.uni-muenster.de/sasi/Buecker_SASI.pdf (Argumentationstheorie / Linguistik)

Als Standard für Untersuchungen in der Schule genügt allerdings das Modell Toulmins; es ist schon wesentlich genauer als das Analysemuster der Abituraufgaben 2007 in NRW; zur Vorbereitung aufs Abitur sollte man aber auch mit dem unscharfen 1. Modell arbeiten.

Wer sich für die strenge Form logischer Analyse interessiert, sollte sich im Internet unter den Suchwörtern „Aussagenlogik, Prädikatenlogik, Modallogik“ informieren; die drei entsprechenden Wikipedia-Artikel führen einen weiter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aussagenlogik
http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikatenlogik
http://de.wikipedia.org/wiki/Modallogik

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