Inhaltsangabe (mit Beispielen)

(Dieses

Eine Inhaltsangabe dient dazu, jemand, der einen (erzählenden) Text nicht kennt, kurz darüber zu informieren. [Manchmal fertigt man von größeren Texten eine Inhaltsangabe für sich selbst an, um sich zu vergegenwärtigen, was für einen Text man vor sich hat.]
In der Einleitung werden angegeben:
– Autor und Titel des Textes,
– Jahr der Veröffentlichung,
– Art des Textes (Textsorte, evtl. auch Erzähltechnik),
– das Thema des erzählten Geschehens (worum es eigentlich „geht“),
– sowie Zeit und Ort des Geschehens sowie seine Dauer [Können diese evtl. im Hauptteil angegeben werden?].
Im Hauptteil
werden
– die (Haupt)Personen und ihre Beziehungen beschrieben – die Figuren erfüllen oft eine bestimmte Aufgabe,
– das Geschehen in seinen wesentlichen Schritten dargestellt (in sachlogischer oder chronologischer Folge),
– und zwar im Präsens (Vorzeitigkeit: Perfekt),
– ohne Wendungen des Textes zu gebrauchen
– und ohne wörtliche Rede zu verwenden;
– sofern außer der Unterhaltung ein Zweck des Textes erkennbar ist, soll man ihn nennen [evtl. in Einleitung oder Schluss?].
Zum Abschluss
– kann man in wenigen Worten die Bedeutung (Wert, Qualität) des Textes kurz würdigen,
– wobei man auch sein auffälligstes Merkmal (oder seine Merkmale) nennen darf (nicht: Merkmal des Geschehens!).
Bei der Inhaltsangabe wird also darauf verzichtet, dem Leser etwas zu erzählen. Der Text wird besprochen, also dem Leser kurz vorgestellt.
Muss die Äußerung einer Figur unbedingt erwähnt werden, führt man sie in einem dass-Satz oder in indirekter Rede an (Konjunktiv 1). – Mit dem Hauptteil und dem Schluss beginnt man einen neuen Absatz.
Quellen:
praxis sprache 8 R/Gy (Baumann – Maiwom – Melzer – Menzel – Schober). Westermann: Braunschweig 1980, S. 41;
Eggerer, Wilhelm – Rötzer, Hans Gerd: Die Inhaltsangabe. Manz Verlag: München 1982, S. 31 f. (mit Beispiel S. 32-37).
Überlege und prüfe: Was muss man bei der Inhaltsangabe eines Sachtextes beachten? Was ist anders als bei einer Erzählung?

Inhaltsangabe – Übungsdiktat
(Wozu Übungsdiktate gut sind, kann man unter https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/ nachlesen.)
1 In einer Inhaltsangabe soll jemand, der einen Text nicht kennt, kurz über dessen Inhalt und die wesentlichen Merkmale informiert werden. Zu diesem Zweck wird der Text verkürzt und v.a. umgeformt.
2 Zunächst muss der Text identifiziert werden; dazu gibt man seinen Titel, seinen Autor und die Textsorte an. Zumindest bei Aufsätzen würde man auch sagen, wann und wo sie veröffentlicht worden sind.
3 Im Thema wird das ganze erzählte Geschehen in einem Begriff oder Satz zusammengefasst; es genügt also nicht, nur die Hauptfigur (Paruli) oder den Schauplatz der Ereignisse zu nennen. Die meisten Themen werden immer wieder in der Literatur behandelt.
4 Wenn das Geschehen oder der Gedankengang in seinen wesentlichen Schritten dargestellt werden soll, muss man diese Schritte zuvor herausfinden. Längere Texte wird man deshalb in Abschnitte einteilen, welche man im Konzept („Schmierblatt“) notiert.
5 Wenn eine neue Aktion anfängt, wenn eine andere Person in den Vordergrund tritt oder ein neuer Zeitabschnitt beginnt, kann man normalerweise einen Einschnitt im Geschehen annehmen (vornehmen).
6 Man muss allgemeine Begriffe finden, welche zum Beispiel den Ablauf einer Hochzeit bezeichnen: Ankunft der Gäste, Begrüßung, Festessen, Trauung, Abschied usw. Wichtig ist also, dass man sich vom Textverlauf lösen kann.
7 In „Parulis Hochzeit“ fällt auf, dass die Großmutter Manulis Fragen beantwortet; das ist nicht für das Geschehen wichtig, aber doch ein Merkmal dieses Textes. Durch Manuli hindurch werden die Zuhörer über indisches Brauchtum belehrt.
8 Tempus der Inhaltsangabe ist das Präsens; daran erkennt man schon, dass sie zu den beschreibenden bzw. erklärenden Sprechweisen gehört. Das Verhältnis der Vorzeitigkeit wird durch das Perfekt ausgedrückt.
9 Wenn man das auffälligste Merkmal nennt, soll man nicht auf das Geschehen, sondern auf die sprachliche Form des Textes achten. Ein Text könnte zum Beispiel witzig geschrieben sein oder viele Vergleiche enthalten.
10 Bei jeder Inhaltsangabe können neue Probleme auftauchen. Sie sind zu lösen, wenn man sich an die Idee der Aufgabe erinnert: den Leser kurz, geordnet und sachlich informieren. Das werden wir auch an Sachtexten erproben.

Nachtrag, Ergebnis meiner Arbeit mit Scheero:

1. Schluss der Inhaltsangabe
Ich habe die ersten zehn Links zu „Inhaltsangabe“ bei der Suchmaschine von web.de, die sich auf google stützt, unter dem Aspekt gelesen, was sie zum Schluss-Teil der Inhaltsangabe sagen:
1. Im Schluss wird eine eigene Meinung oder die Aussageabsicht des Textes niedergeschrieben. (wikipedia) [sprachlich grausam, Tn]
2. Eine Inhaltsangabe besitzt eigentlich keinen Schluss. Die Aufgabenstellung ist aber so, dass meist in Verbindung mit der Inhaltsangabe Fragen zum Text gestellt werden.
Will man auch ohne ausdrückliche weiterführende Aufgabenstellung einen Schluss schreiben, sollte man die folgenden Dinge beachten:
* Ausschließlich im Schluss darf die eigene Meinung zur Vorlage geäußert werden.
* Wenn dem Leser die Vorlage nicht gefällt, dann kann und soll er sie kritisieren. Interessant ist dabei aber nicht, dass die Vorlage nicht gefallen hat, sondern warum dies so war. (teleunterricht)
3. Im Schluss kann auf auffällige Gestaltungsmittel des Textes und ihre Wirkung hingewiesen oder die Aussage (Lehre) des Textes herausgestellt werden. Es kann auch eine persönliche Stellungnahme abgegeben werden. (bernhardkeller.de)
4. Bei teachsam ist nichts über den Schluss gesagt. FAQs zur Inhaltsangabe: http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/txtwied/inh/inh0.htm
(Bei teachsam wird die Praxis, im Schluss zum Text Stellung zu nehmen, prinzipiell verworfen.)

Fazit: Die Autoren teilen sich in zwei Lager; die einen befürworten einen Schluss, der die Inhaltsangabe abrundet, die anderen lehnen einen Schluss ab. Ich neige zu der Auffassung, dass teachsam Recht hat, was den Hauptteil betrifft; aus Gründen der gefälligen Darstellung würde ich einen Schluss-Satz gutheißen.

2. Die Aufgabenstellung „Inhaltsangabe anfertigen“ ist viel problematischer, als ich bisher gedacht habe:

Bei der Untersuchung der Erzählung „Sredni Vashtar“ haben wir festgestellt, dass der Begriff des Handlungsschrittes manchmal nicht ausreicht, um den Inhalt einer Erzählung zu erfassen. Wir haben nämlich herausgefunden, dass die Erzählung folgendermaßen aufgebaut ist:
1. Der Erzähler stellt Conradin vor (Z. 8-11).
2. Der Erzähler beschreibt das gespannte Verhältnis zwischen Conradin und seiner älteren Cousine, die sein Vormund ist, als eine Kampfsituation (Z. 11-81).
3. Der Erzähler berichtet (erzählt), wie es zum entscheidenden Kampf kommt, aus dem Conradin mit Hilfe seines Gottes als Sieger hervorgeht (Z. 82 ff.).
Auswertung: 1. Wir haben den Aufbau der Erzählung untersucht. 2. Wir haben uns dabei an dem orientiert, was der Erzähler tut. – Das müsste von jetzt ab klar sein.
Nur in dem erzählten Geschehen (Z. 82 ff.) gibt es Handlungsschritte; der Begriff passt also nur auf bestimmte Typen von Erzählungen oder auf Teile von Erzählungen.
Wir haben ferner die Zeitstruktur des erzählten Geschehens kurz untersucht, ohne sie völlig auszuwerten: Es wird das Ereignis eines Momentes (Z. 82-84), dann das Geschehen eines Tages (Z. 84 ff.) und nach einem kurzen Sammelbericht (Z.105-107) das Geschehen eines Nachmittags erzählt (Z. 108 ff.); dafür nimmt der Erzähler sich am meisten Zeit, es ist also der Höhepunkt der Erzählung (60 Zeilen Text für einen Nachmittag; vorher 20 Zeilen für einen ganzen Tag; im Sammelbericht knapp 3 Zeilen für mehrere Wochen (genauso viel für den einen Moment, Z. 82-84!) – mit der Zeilenzahl wird hier indirekt die Zeit gemessen, die der Erzähler sich für den Bericht eines Ereignisses nimmt).
Eigentlich dürfte es klar sein, dass jeder zeitlichen Einheit des erzählten Geschehens auch (mindestens) ein Handlungsschritt entsprechen muss, oder? Gilt das auch für summarisch erfasste (und so übersprungene) Zeitabschnitte?
Die Orientierung an Hauptpersonen und Handlungsschritten ist jedenfalls zumindest „einseitig“; es gibt Inhaltsangaben ja auch in Form eines summary (etwa von wissenschaftlichen Werken).
27. Juni 007 (Dieses Datum ist echt – der Post von 2011 war nur die Übertragung vom alten Blog bei kulando.de nach wordpress.com.)

3. Zwei Beispiele:

Erstes Beispiel

Inhaltsangabe: Sredni Vashtar
In Hector Hugh Munros Erzählung „Sredni Vashtar“ (1917) geht es um den Kampf eines Jungen, der sich gegen die Übermacht seines Vormundes behauptet; Ort und Zeit des Geschehens sind nicht näher bestimmt.
Conradin wird als ein zehnjähriger Junge vorgestellt, der nur geringe Aussichten hat, noch lange zu leben. Er befindet sich in einer Kampfsituation gegenüber Mrs. De Ropp, seiner Cousine, die durch ihre Verbote sein Leben einschränkt. Der Bereich, der ihm verbleibt, ist der Garten des Hauses mit einem unbenutzten Schuppen; in ihm leben von Conradin erdachte Geister, deren wichtigste ein Frettchen und eine Henne sind. Gegen Mrs. De Ropps Religion hat Conradin seinen Glauben an den Gott Sredni Vashtar gestellt, wie er das Frettchen nennt.
Als Mrs. De Ropp ihm die Henne wegnehmen will und auch das Toastessen verbietet, fleht Conradin seinen Gott Sredni Vashtar um Hilfe an. Nach einiger Zeit fällt an einem Nachmittag fällt die Entscheidung, als Mrs. De Ropp in den Schuppen geht, um auch diesen Lebensraum Conradins unter ihre Kontrolle zu bringen: Conradin fleht erneut zu seinem Gott, ohne selber recht an dessen Hilfe zu glauben; bald darauf sieht er, wie das Frettchen blutbefleckt den Schuppen verlässt. Zur Feier seines Sieges isst Conradin zwei der ihm verbotenen Toasts, während die Umwelt noch meint, ihn über den Tod seiner Cousine trösten zu müssen.
Diese Erzählung ist eine exotische Geschichte von der Selbstbehauptung eines vermeintlich schwachen Kindes durch die Kraft seiner Phantasie.

Diskussion des Ergebnisses:
Hier sieht man, wie man eine Situationsbeschreibung in die Inhaltsangabe integriert (man könnte die beiden Teile des Hauptteils auch zu einem einzigen Absatz zusammenfassen). Theoretisch ist der Begriff der Ausgangssituation wichtig; das ist im Fall der Erzählung „Sredni Vashtar“ das, was in den ersten 81 Zeilen steht. Aus der Ausgangssituation heraus setzt das Geschehen ein (das, was eigentlich erzählt wird: erkennbar an Zeitangaben); wenn das Geschehen vorbei ist, hat es zu einem Ergebnis geführt (Conradin hat gesiegt, seine Cousine ist tot: Der Kampf ist vorbei!). [Der Schluss-Satz könnte entfallen. Könnte er?]
Mit diesen drei Begriffen kannst du jede Erzählung erfassen; vom Geschehen her muss man das Thema der Erzählung bestimmen. Die Ausgangssituation ist das Ergebnis der Vorgeschichte (das ist alles das, was bereits den Figuren oder ihren Verwandten, Bekannten, Vorfahren oder Zeitgenossen geschehen ist, bevor das erzählte Geschehen beginnt).

Zweites Beispiel

Inhaltsangabe: Nachts schlafen die Ratten doch
Die Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ ist von Wolfgang Borchert unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben worden; es wird erzählt, wie ein älterer Mann einem Kind dazu verhilft, trotz des Krieges wieder Kind zu sein.
In den Ruinen einer zerbombten Stadt trifft Jürgen, ein Junge von 9 Jahren, an einem Spätnachmittag während des Krieges einen älteren Mann, der Kaninchenfutter sammelt. Der Mann spricht Jürgen an; aber der Junge, der mit einem Stock bewaffnet ist, ist zunächst verschlossen und tritt in der Pose eines Mannes auf. Der Mann geht mit seinen Fragen auf den Jungen zu; als der Mann ihm von seinen kleinen Kaninchen berichtet und Jürgen anbietet, sie anzuschauen, lehnt Jürgen das ab, weil er immerzu aufpassen müsse. Schrittweise öffnet er sich: dass er seinen kleinen Bruder, der vor einigen Tagen bei einem Bombenangriff umgekommen sei, davor bewahren müsse, von den Ratten gefressen zu werden. Als [oder: Weil] es dem Mann gelingt, Jürgen glauben zu machen, dass die Ratten nachts schlafen, gibt Jürgen seinem Wunsch nach und fragt, ob er ein Kaninchen bekommen könne. Sie verabreden ein neues Treffen am Abend, zu dem der Mann ein Kaninchen mitbringen will, um Jürgen dann nach Hause zu bringen.
In dem Gespräch, das etwa fünf Minuten dauert, ist es dem Mann gelungen, mit einer Lüge Jürgen aus der Fesseln einer ihn erdrückenden Pflicht zu befreien.

Diskussion des Ergebnisses:
Es ist nicht leicht, die einzelnen Handlungsschritte voneinander abzugrenzen; ich habe deshalb zu dem Hilfsmittel der summarischen Bezeichnung „schrittweise“ gegriffen. Die Dauer des Geschehens ist im Schluss genannt, was m.E. so ohne Weiteres möglich ist; wenn man auf den Schluss verzichten will, müsste man diese Zeitangabe in den Hauptteil nehmen.
1. Alternative: Man kann auch chronologisch beginnen, also mit der Vorgeschichte: „Während des Krieges ist das Haus des 9-jährigen Jürgen von einer Bombe getroffen worden, sein kleiner Bruder ist unter den Trümmern verschüttet. In der Schule hat er gelernt, dass die Ratten Tote fressen; deshalb hält er, mit einem Stock bewaffnet, seit einigen Tagen Wache vor dem zerbombten Haus. An einem Spätnachmittag…“
2. Alternative: Wem der Schluss trotz der Wertung „Lüge“ noch zu nahe am „Inhalt“ ist, könnte die eigene Bewertung deutlicher machen: „Es ist beeindruckend, wie es dem Mann in einem Gespräch von etwa fünf Minuten gelingt, mit einer Lüge Jürgen aus der Fesseln einer ihn erdrückenden Pflicht zu befreien.“ – Das Problematische dieser Lösung liegt darin, dass ich nicht weiß, ob andere Leser ebenso wie ich von der Wende des Geschehens beeindruckt sind; ich verallgemeinere quasi die von mir erlebte Wirkung, ohne das Recht zu dieser Verallgemeinerung prüfen zu können.
5. Juli 007

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2 thoughts on “Inhaltsangabe (mit Beispielen)

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