Grundformen sprachlichen Handelns

in Sachtexten oder theoretischen Texten:

Was steht an?               Was will (soll) der Hörer?           Was tut der Sprecher?

1. Daten                                   wissen                                    mitteilen

2. Eine Abfolge                      wissen                                    berichten
zusammenhängender
Ereignisse                       unterhalten werden                         erzählen

3. eine Menge
von Phänomenen;           kennen; sich vorstellen                   beschreiben
ein Einzelding

4. Problem, un-                      verstehen                                 erklären
bekannte Zusammenhäne

5. Stellungnahme             bejahen / ablehnen                         bewerten

6. meine Handlung            etwas leisten, tun               [auf]fordern, bitten, werben

7. eine Maßnahme                mitmachen                                vorschlagen

8. Streit, Unklarheit,         überzeugt werden                   argumentieren, erörtern
Widersprüche

Das alles sind einzelne Handlungen des Sprechers im „Dialog“ mit dem Hörer; wenn die Gesprächsrollen wechseln, wird aus einem Hörer der Sprecher.

Wir können mindestens zwei weitere Aspekte unterscheiden: Der Sprecher (Autor) gibt Hilfen für den Überblick über das, was er insgesamt sagt, will also dem Hörer (Leser) das Verständnis erleichtern. Hierhin gehören Handlungen wie: einleiten, einen Überblick geben, vorausdeuten, zusammenfassen, rückverweisen, etwas wiederholen. Vielleicht sollte man hierzu auch die Handlungen zählen, mit denen der Sprecher (Autor) die Aufmerksamkeit des Hörers (Lesers) gewinnen und erhalten will (direkte Anrede, auf ein aktuelles Ereignis anspielen, einen Scherz machen usw.).

Zweitens kann man (innerhalb der argumentativen Konstruktion des Gedankengangs) „das Gespräch“ des Autors mit anderen Teilnehmern am großen Gespräch der Fachleute beachten. Hierhin gehört alles, was mit dem Zitieren, Verweisen, Zustimmen zu und Ablehnen von fremden Auffassungen zusammenhängt; hierhin gehört auch wieder die ganze Palette des Argumentierens.

Anmerkung: Die hier beschriebenen Typen sprachlichen Handelns greifen auf die Theorie der Textfunktionen vor, wie es früher in der Duden-Grammatik hieß, oder auf Vertextungsstrategien, wie es jetzt heißt – man sieht, wie die Theorie im Fluss ist. (2009/10)

Vgl. den vorhergehenden Aufsatz: Grundformen schriftlicher Darstellung!

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