Formen schriftlicher Darstellung (als Weisen sprachlichen Handelns)

(in Anlehnung an: Kurze Stilistik. Hrsg. von B. Friedrich und J. Zech. Volk und Wissen: Berlin 1987)

Formen erlebnisorientierten Darstellens:
* erzählen: Erlebnisse sind Begebenheiten, die uns auf besondere Weise innerlich bewegen; Erlebnisse erzählen wir;
* schildern: Eindrücke beruhen auf Wahrnehmungen, die in bestimmter Weise auf uns gewirkt haben; Eindrücke schildern wir; durch den Eindruck, den sie macht, wird eine Person charakterisiert.
Formen sachorientierten Darstellens:
* beschreiben: Wenn wir Gegenstände oder Vorgänge durch Bezeichnen ihrer Teile oder durch Angabe ihrer Merkmale genau kennzeichnen, beschreiben wir sie; damit ist das Definieren als eine Sonderform des Beschreibens anzusehen; Vorstufen sind das Nennen, Aufzählen, Feststellen von einfach Wahrnehmbarem; wenn wir die näheren Umstände eines Geschehens darstellen, beschreiben wir sie; die Inhaltsangabe ist eine Textbeschreibung;
* erklären: Wenn es darum geht, Zusammenhänge aufzuzeigen (v.a. zwischen einer Erscheinung und einem Gesetz oder Prinzip), dann erklären wir etwas; v.a. wenn wir die Beziehungen von Grund, Folge oder Zweck (im weiten Sinn) aufzeigen, erklären wir etwas;
* berichten: Wenn wir über ein einmaliges Geschehen neutral und umfassend informieren sollen, berichten wir darüber.
Formen problemorientierten Darstellens:
* beurteilen, bewerten;
* erörtern: Wenn man sich mit einem Problem auseinandersetzt und dann den Prozess und das Ergebnis dieser Auseinandersetzung darstellt, erörtert man das Problem;
* argumentieren: Wenn es bei der Lösung von Aufgaben zu unterschiedlichen Auffassungen kommt, aber ein einheitlicher Standpunkt (oder eine Entscheidung) erforderlich ist, argumentieren wir (im Hinblick auf eine Situation und auf einen Partner); wir können auch innerhalb anderer Darstellungsformen (v.a. in der Erörterung) argumentieren;
* fordern, auffordern: Wie das Argumentieren kann das Fordern Teil einer größeren sprachlichen Darstellung sein, es kann aber auch den Grundtenor einer Darstellung bestimmen.

Diese Darstellung mag ihre Schwächen haben – Dr. Liewerscheidt hat sie einmal kritisiert; aber sie stellt immerhin den Versuch dar, einen Überblick zu gewinnen. Man könnte noch darauf achten, wie sich diese Formen nach dem Modus und dem Tempus unterscheiden.

Für den Hausgebrauch unterscheide ich vier (fünf) dominierende Sprechweisen bei Sachtexten:
beschreiben und berichten / erklären / bewerten / fordern.
Diesen vier Sprechweisen kann man intendierte Leistungen des Hörers zuordnen: zur Kenntnis nehmen / verstehen / beurteilen / handeln. Quer dazu steht das Argumentieren; denn man kann sowohl beim Erklären als auch beim Bewerten und Fordern argumentieren. Die relevante Unterscheidung ist: argumentieren / bloß behaupten (daherreden).

Mit einer Klasse 9 habe ich 2005/06 folgende Liste ausgearbeitet:

Sprechweisen – Unterscheidungen für (theoret.) Texte
Man kann in dieser Hinsicht hauptsächlich vier Sprechweisen nennen:
Ein Sprecher stellt etwas dar,          -> damit der Hörer es weiß;
er erklärt etwas                                -> damit der Hörer es versteht;
er bewertet etwas                            -> Hörer soll seine Sicht der Dinge ändern;
er fordert auf zu…                          -> Hörer soll es tun.
Man kann diese vier Sprechweisen in vielerlei Hinsicht differenzieren: nach verschiedenen Arten des Darstellens oder nach Graden der Intensität (beim Auffordern), auch nach positiver (Bitten) oder negativer (Verbieten) Ausrichtung usw.
Auch ist der Zweck der Sprechweise nicht unbedingt immer das Ziel des Sprechers, weil die vier Hauptbegriffe nur Sammelbegriffe sind: So kann man jemanden verspotten und ihn damit auch bewerten, ohne dass man damit erreichen will, dass der Verspottete diese Sicht übernimmt; oder man kann gemeinsam über einen herziehen (ihn also bewerten), ist sich aber schon vorher in der Sicht einig…
Mit diesen Einschränkungen kann man eine erweiterte Tabelle anlegen:
1. darstellen:
* berichten (über einmalige Vorfälle, Geschehnisse) – sachlich;
* beschreiben (das, was der Fall ist: Situationen, Gegenstände, regelmäßig Handlungen) – sachlich;
* schildern (Gegenstand unbestimmt) – anschaulich, auch eindringlich;
* erzählen (Erlebnisse) – persönlich, auch zu Unterhaltung, zum Miterleben;
2. erklären:
verborgene Zusammenhänge aufdecken, durch kausale, konditionale (immer wenn…, dann…), modale, finale und konsekutive Angaben;
3. bewerten:
Das wird eigens untersucht! Vorab schon kann man ‚positiv / negativ‘ unterscheiden!
4. auffordern:
a) positiv: empfehlen; raten; bitten; (er)mahnen; auftragen; vorschreiben; befehlen…
b) negativ: abraten; bitten; (er)mahnen; warnen; verbieten…

Die sprachlichen Formen, in denen der Sprecher dies alles tut (und die Situationen, in denen es geschieht), können vielfältig sein.
Ich unterscheide hier drei sprachliche Hauptformen:
1. Stimmführung; Auswahl und Anordnung des Gesagten (erzählen);
2. verbale Bezeichnung des sprachlichen Handelns („Ich bitte dich…“); Tempus;
3. Bezeichnung durch andere Wörter und Wendungen („Es wäre am besten…; wenn du meinen Rat hören willst; das kann nicht gut ausgehen; ein Kind in deinem Alter sollte…“).

Vgl. Ehlen, Wilfried: Deutsch. Ein Sprach- und Übungsbuch. Verlag H. Stam: Köln o.J. (6. Aufl.).

Vgl. auch die Weiterentwicklung im nächsten Aufsatz: Grundformen sprachlichen Handelns (und in dieser Tabelle: Sprachliches Handeln)!Mehr...

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