Einen Brief schreiben – wie geht das?

Einen Brief schreiben – Vorüberlegungen
Drei Fragen muss man geklärt haben, ehe man zu schreiben beginnt:
1. Was will ich?
2. Was will der andere (was interessiert ihn)?
3. In welchem Verhältnis stehen wir zueinander?

Wenn diese drei Fragen beantwortet sind, kann man überlegen, wie man den Brief aufbaut: Wie fange ich an? Wie sage ich das, was ich eigentlich will? Wie höre ich auf?
Folgende Einzelheiten könnte man dazu bedenken:
A) Wie fange ich an?
– Ich stelle mich vor (mit Datum, Adresse).
– Welche Anrede nehme ich (wie herzlich)?
– Warum habe ich mich an den Adressaten erinnert?
– Warum schreibe ich jetzt? Wann hatten wir zuletzt Kontakt?
– Muss ich mich nach ihm erkundigen?
– Musste ich etwas für ihn erledigen oder besorgen?
– Ist für ihn wichtig, wie es mir geht?
– Sind meine Pläne für ihn interessant?
B) Wie sage ich das, was ich eigentlich will?
– Wie offen bzw. wie direkt kann ich sprechen?
– In welcher Reihenfolge trage ich meine Gedanken vor?
– Was muss im Einzelnen erklärt oder begründet werden?
– Mit welchen Einwänden oder Bedenken sollte ich rechnen?
– Welche Worte (höflich – grob) wähle ich?
(Beachte diese Frage, wenn du den Brief überarbeitest!
Manchmal ist es auch besser, wenn man etwas verschweigt oder auf sich beruhen lässt – man muss nicht alles aussprechen!)
C) Wie höre ich auf?
– Soll ich von meinen Plänen oder von Bekannten sprechen?
– Besteht Aussicht auf ein Treffen, das ich nennen kann?
– Welche guten Wünsche sollte ich äußern?
– Wie herzlich soll oder darf ich grüßen?
Unterschrift

Drei Dinge sind noch zu ergänzen:
* Hier ist der Gesprächspartner immer „der andere“ genannt, auch wenn man an Tante Ilse schreibt oder an die Großeltern.
* Der Hauptteil kommt hier in unseren Überlegungen knapp weg, aber nicht weil er unwichtig wäre, sondern weil man oft nicht genug beachtet, wie wichtig die Einleitung und der Schluss sind; die hier genannten Fragen müssen nicht alle beantwortet werden – sie sind als ein Katalog gedacht, anhand dessen man prüfen kann, ob man nichts Wichtiges vergessen hat. (Wer kennt weitere Fragen für den Katalog?)
* Was hier vom Briefschreiben gesagt ist, gilt grundsätzlich auch vom Telefonieren und für jede Art von Kontakt – also dann, wenn man in ein Gespräch eintritt (oberste Regel):
Denke nicht nur daran, was du selber erreichen möchtest,
sondern beachte auch den anderen
: was er weiß, was ihn interessiert, wie er dein Auftreten empfindet!

Etwas abstrakter formuliert: In der Kommunikation musst du auch den anderen wahrnehmen und ernstnehmen; und da der Brief eine Einwegkommunikation ist, musst du die Position des anderen in deinen Überlegungen vorwegnehmen!

Beispiel: Klassenarbeit Kl. 5

2. Klassenarbeit Deutsch 5 a
Einen Brief schreiben; in Literatur produktiv eingreifen; Bedeutung der Perspektive (1./3. Person) kennen – eine Schulstunde

1. Aufgabe zu „Die Freunde“ von Wilhelm Busch:
Am Tag des Diebstahls gehen den Kindern und Herrn Schramm allerlei Gedanken durch den Kopf.
Zu vier Stellen habe ich den Gedanken einer Person angegeben. Schreibe du auf, was die jeweils genannte andere Person denkt:
(1) Ferdinand denkt (zu Vers 8-10): „Käthchen nutzt uns aus.“
Käthchen denkt: _______________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(2) Ferdinand denkt (V. 18-22: „Fritz hat mich im Stich gelassen.“)
Fritz denkt: ___________________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(3) Schramm denkt (zu Vers 26-28): „Da habe ich den Dieb gerecht bestraft.“
Ferdinand denkt: ______________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(4) Ferdinand denkt (zu V. 33 f.): „Fritz ist ein mieser Verräter.“
Käthchen denkt: _______________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________

2. Aufgabe:
In den Oktoberferien ist Fritz mit seinen Eltern verreist; er hat über die Birnengeschichte noch einmal nachgedacht und möchte die alte Freundschaft mit Ferdinand wieder herstellen. Am 14. Oktober, dem vorletzten Ferientag, schreibt Fritz aus Trier einen Brief an Ferdinand.
Aufgabe: Schreibe diesen Brief!
(Überlege, ob du dir vorher einige Stichworte notieren willst!
Denke daran, wie ein Brief aufgebaut ist!)

Viel Erfolg! Tn

Beispiel:
Einen Brief schreiben von Figur zu Figur,
zu Tolkien: Der kleine Hobbit
Nachdem Bilbo glücklich den Zauberring gefunden hat und Gollum entronnen ist, ist er allein und weiß nichts von Galfand und den Zwergen (S. 105, Mitte).
1. Wenn er annimmt, dass es ihnen gut geht, könnte er sie suchen und ihnen vorab schon einmal von seinen Erlebnissen berichten. – Du musst dich dann fragen: Wie wirkt sich diese Absicht bzw. der Anlasss darauf aus,
a) was Bilbo schreibt,
b) wie er es schreibt?
Du siehst hier, wie die Annahme über die Situation der Adressaten der (möglichen) Absicht oder Zielsetzung des Schreibers entspricht und wie beides zusammen die Eigenart des Briefes bestimmt.
2. Wenn er annimmt, dass sie wahrscheinlich bedroht und gefährdet sind, könnte er sie suchen und ihnen seine Hilfe anbieten; dann wird er zwar auch kurz seine Rettung erwähnen und vor allem die Kraft des Zauberrings hervorheben, aber auch seine Sorge um die Zwerge ausdrücken und ihnen seine Hilfe anbieten. – Auch hier siehst du, wie die Annahme über die Situation der Adressaten der (möglichen) Absicht oder Zielsetzung des Schreibers entspricht und wie beides zusammen die Eigenart des Briefes bestimmt.

Theorie dazu:
Es gibt die Gesamtsituation (aller Beteiligten), bestehend aus
Situation des Schreibers (ist bekannt!) / Situation des/der Adressaten (wie genau ist sie bekannt?)
Diesen beiden Teilsituationen entsprechen
– Möglichkeiten des Schreibers / Möglichkeiten des/der Adressaten,
– die Bedürfnisse des Schreibers / Bedürfnisse (Erwartungen) der Adressaten
Gesamtsituation -> Ziel (Absicht) des Schreibers,
der beim Schreiben dann die Möglichkeiten und Erwartungen der Adressaten berücksichtigen muss, wenn er sie nicht verärgern will, aber doch auch sein Ziel verfolgen muss!

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