berichten, Bericht schreiben (mit Klassenarbeit)

Berichten – Übungsdiktat
1 Oft ist es nötig, dass über ein Ereignis oder über Vorgänge berichtet wird. Es gibt viele Formen des Berichts, von der persönlich gefärbten Reportage bis zur kurzen Zeitungsmeldung. Wir befassen uns hier im Wesentlichen mit den sachlichen Berichten.
2 Berichte dienen einem bestimmten Zweck; dieser bestimmt die Form des Berichts. Wer in der Schulchronik berichtet, lobt die eigenen Schüler auch; Herr Kiesel betont, dass vom Schüleraustausch alle begeistert waren.
3 Wenn das Interesse groß ist, kann man viel berichten und braucht zweitens nur wenige Fachbegriffe oder Besonderheiten zu erklären. Manchen Lesern genügt schon die Überschrift: Benjamin Schiefer ist Schulmeister im Schach geworden.
4 Manchmal wird die Vorgeschichte des Ereignisses berichtet: Seit 1991 gibt es den Austausch mit Belgien. In der Regel wird zuerst über das Ereignis, zwischendurch oder später seine Vorgeschichte berichtet; denn das Ereignis ist wichtig.
5 Auch in der Wahl der Sprachebene muss man sich auf die Leser einstellen, andernfalls scheucht man sie fort. Herr Kiesel wendet sich an gebildete Leser, also an die Eltern; ich habe für Schach-Fachleute geschrieben.
6 Die entscheidenden Fragen, die im Bericht beantwortet werden sollen, lauten: Was ist geschehen? Wer hat was getan? Wann und wo war es? Wie ist es geschehen? Manchmal fragt man auch: Warum ist es geschehen? Welche Folgen hatte es?
7 Diese Fragen brauchen aber nicht immer alle beantwortet zu werden; so ist es gleichgültig, wo die Schulmeisterschaft im Schach ausgetragen wurde, und warum sie gespielt wurde, ist ohnehin klar.
8 Meistens wird beim Bericht die Reihenfolge der Ereignisse genau beachtet. Der sachliche Bericht soll von persönlichen Bewertungen frei bleiben; je nach dem Zweck des Berichtes können Wertungen einfließen: Herr Kiesel macht auch Reklame für den Austausch.
9 Wer mündlich berichtet, gebraucht meistens das Perfekt und für den Höhepunkt des Geschehens das Präsens. Hieran sieht man, dass solche Berichte mit Erzählungen verwandt sind; sie dienen auch zur Unterhaltung der Hörer.
10 Schriftliche Berichte werden durchweg im Präteritum abgefasst; man blickt auf den ganzen Vorgang zurück. Sie müssen in den Einzelheiten so genau sein, dass der Leser keine Fragen stellen muss, um sich ein klares Bild zu machen.

Kurzer sachlicher Bericht für die RP (Tageszeitung)
Am Mittwoch, dem 11. Oktober, besuchten 21 Schüler aus Verviers (Belgien) mit ihren Lehrern das Franz-Meyers-Gymnasium in Mönchengladbach. Am Vormittag besichtigten die Gäste das Abteibergmuseum; den Nachmittag verbrachten sie in ihren Gastfamilien, ehe sie gegen 18 Uhr wieder nach Verviers zurückfuhren. – Die Schulpartnerschaft zwischen dem Franz-Meyers-Gymnasium und dem Collège SFX 2 besteht seit 1991 und wird von Frau Froitzheim sowie Herrn Dassen und Herrn Kiesel betreut.
Aufgabenstellung:
1. Notiere, welche W-Frage wo beantwortet wird!
2. Suche eine passende kurze Überschrift!
3. Vergleiche den Kurzbericht mit dem Ausgangstext aus der Schulchronik [lag den Schülern vor] und notiere in Stichworten, was fortgefallen ist!

Zur Ich-Form im Bericht
1. Die Ich-Form darf verwendet werden, wenn der Ich-Sprecher am Geschehen beteiligt war (oder ist).
So muss in der Kommunikationssituation Situation A (“Berichten”, ein Auszug aus: Kurze Stilistik. Hrsg. von B. Friedrich und J. Zech. Volk und Wissen: Berlin 1987, S. 68-70) der Junge, dem ein Bein gestellt worden ist, natürlich “ich” sagen.
2. Je nachdem, ob man den Adressaten des Berichtes gut kennt, darf man “ich” sagen:
In der Kommunikationssituation B berichtet ein Schüler seinem Lehrer; er darf zur Datierung des Geschehens sagen: “Ich verließ das Gebäude…”; er darf auch eine Vermutung äußern (6. Satz), weil der Lehrer das ja selber nachprüfen kann.
3. In den Teilen einen Berichtes, in denen dessen Zweck deutlich werden soll, darf man “ich”, “wir”, “ihr” verwenden:
In der K-Situtation C werden die anderen Schüler mit “ihr” (und auch mit “wir”) angesprochen; außerdem darf in diesen Passagen das Modalverb “sollen” oder der Imperativ gebraucht werden. Der Zweck des Berichts wird übrigens in der Regel am Anfang und (oder) am Schluss deutlichgemacht.
4. In einem neutralen Bericht für ein unbekanntes Publikum, für die Polizei oder eine Behörde soll nicht “ich” gesagt werden, wenn der Berichterstatter darstellt, was er gesehen hat; denn es gilt bereits als Norm, dass er nur das sagt, was er selber gesehen hat. Vermutungen (“Ich habe von einem Freund gehört …”) soll er nicht äußern, auch keine Gerüchte, die er gehört hat.

P.S. Die “Kurze Stilistik” ist ein wunderbares Buch aus der alten DDR, welches es jetzt natürlich nicht mehr zu kaufen gibt, leider. In der Deutsch-Didaktik waren die DDR-Kollegen gar nicht schlecht!

Ereignis – Zweck des Berichts
Überlegungen am Beispiel der Erzählung „Das Warenhaus“ (von Waltraud Küppers, in: Deutschbuch 6 [alt!], S. 52 f., ohne den letzten Absatz)
In der Klassenarbeit war gefordert, dass der Kaufhausdetektiv (der beim nächsten Diebstahl Sabine erwischt) in der Kundenzeitschrift des Marktes einen Bericht über besagten Diebstahl schreibt.
Geforderte Leistung: einen Bericht zweckmäßig verfassen können. Zweck war des Detektivs Aufgabe, Eltern mit diesem Bericht davor zu warnen, Kinder zum Stehlen in Läden zu schicken. Die Frage ist also: Was interessiert den Detektiv?

Diese Frage beantworten wir, indem wir die W-Fragen stellen - ich antworte hier in Kurzform:
Was geschah? Ladendiebstahl
Wer hat es gemacht? Sabine, 10 Jahre
Wo und wann? Siehe Text; es sollten das Datum des Geschehens und die Lage des Ladens ergänzt werden.
Wie geschah es? Sabine war im Laden, ein Regal kippte (?), Zigarettenpackungen fielen auf den Boden, Sabine konnte im Nachbargang einige finden und heimlich einpacken (in Hose mit Zusatzfach).
Warum? Ihre Stiefmutter zwang sie zum Stehlen.

Den Detektiv interessiert also nicht, ob Sabine ihre Kleider ungern anzieht, ob Kerstin geschlagen wird, warum diese nicht mit in den Laden geht, ob drei Angestellte die Kunden wegdrängen, ob die Hosenenden zugebunden sind, ob Vera zu Hause schimpft usw. - das alles schließen wir durch die W-Fragen aus! Vom Diebstahl hat der Detektiv erfahren, als er Sabine bei einem weiteren Diebstahlsversuch ertappt hat; berichten soll er vom Diebstahl, der in “Das Warenhaus” erzählt worden ist.

Die zweite Frage des Detektivs lautet: Wie spreche ich die Eltern an, dass ich ihnen auch vermitteln kann, sie sollten ihre Kinder nicht zum Stehlen schicken? Und wie kann ich diesen Rat begründen? Die Begründung könnte sein,
- dass man irgendwann erwischt wird, wie Sabine;
- dass man Kinder nicht zum Diebstahl missbrauchen soll;
- dass man ihnen beizeiten beibringen muss, was Recht und Unrecht ist (“Was Hänschen nicht lernt….”);
- dass letztlich nicht der Laden, sondern die anderen Kunden bestohlen werden, weil wegen der Diebstähle die Preise höher angesetzt werden müssen…
Diese Mahnung und die Begründung müssen gedanklich mit dem Bericht verbunden werden.

Die Linien der Beurteilung habe ich so angesetzt:
alles richtig: sehr gut;
die beiden Ergänzungen zu den W-Fragen fehlen: ein Minus hinter der Note;
alles perfekt, jedoch ohne Erwähnung des Zwecks: befriedigend;
6 W-Fragen perfekt und ein Satz zum Zweck (ohne Bericht): ausreichend;
6 W-Fragen perfekt und der Zweck perfekt (ohne Bericht): befriedigend;
2 W-Fragen völlig falsch: um eine Note gesenkt;
Abzüge gab es für 15 einfache Fehler (eine halbe Note), für 5 schwere Fehler (Sb, Gr): eine halbe Note; für 3 Tempusfehler im Bericht: eine halbe Note.

About these ads
Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: