Asmuth: Einführung in die Dramenanalyse – Übersicht

Ich gebe im Folgenden eine kurze Übersicht über Bernhard Asmuth: Einführung in die Dramenanalyse (3. Auflage 1990 – es gibt inzwischen weitere Auflagen) –
eine Übersicht über die Aspekte, die für die Arbeit im Gymnasium relevant sein können.

1. Wesentliche Elemente eines Dramas sind
– die Handlung (Inhalt) als Ereigniszusammenhang,
– die Form der Figurenrede,
– die sinnliche Darbietung (vollbrachter oder berichteter Taten) auf der Bühne,
– und zwar als ein an ein Publikum gerichtetes Spiel.

2. Statt der Orientierung an Akt und Szene empfiehlt Asmuth die an Handlungsabschnitten: Solche liegen vor, wenn es keinen Bruch der Kontinuität von Ort und Zeit gibt, und wenn keine neue Person auftritt.
– Bemerkungen zur offenen / geschlossenen Form (S. 48 ff.).

3. Asmuth unterscheidet den Haupttext vom Nebentext, zu dem u.a. die Bühnenanweisungen gehören; sie seien die Möglichkeit, dass der Autor deutend eingreift.
– Aspekte der Kommunikation: zwischen den Figuren; zwischen Figuren und Publikum; zwischen Figur und Schauspieler, der aus der Rolle tritt; zwischen Autor und Publikum (S. 58 ff.).

4. Gestaltung der Figurenrede
– durch die Ziele und Themen der Sprechenden,
– durch die Situation (d.i. das für die Figuren Wahrnehmbare),
– durch die Umstände der mündlichen Kommunikation (störanfällig),
– durch das Verhältnis der Figuren (persönlich, Statusunterschiede),
– durch den Stil des Redenden,
– durch die seelische Verfassung des Redenden.
Die Figurenrede bedeutet für die Zuschauer mehr als für die Sprechenden (als Stimme des Autors); zugleich sprechen die Figuren im Drama anders und anderes als normale Menschen (offener).

5. Was mit den Personen zusammenhängt,
– ist die Unterscheidung von Person, Figur, Charakter, Typus,
– ist die angeblich sich durchhaltende Personenkonstellation (S. 96 ff. – finde ich problematisch),
– ist die Möglichkeit, dass Personen Handlungsfunktionen verkörpern (das gewünschte Gut, die treibende Kraft, Gegner und Helfer, der Situationsmächtige, der gewünschte Erwerber des Gutes, S. 99 ff.).

6. Die Problematik des Begriffs und der Abgrenzung der Exposition wird in Kap. VIII aufgezeigt.

7. Den Wissensunterschieden kommt große Bedeutung zu (Kap. IX):
– die Vorausdeutung (S. 115 ff.),
– dramatische Ironie (S. 122 f.),
– Intrige und Verstellung (S. 123 ff.),
– der Zusammenhang von Verwicklung / Auflösung, der durch Peripetie und Anagnorisis hergestellt wird (129 ff.);
– das analytische Drama (131 ff.).
(Ich finde auch die Wissensunterschiede zwischen Publikum und Figuren wichtig! N.T.)

8. In Kap. X diskutiert Asmuth unter dem Aspekt des Handlungszusammenhangs, ob der Handlung oder den Charakteren größere Bedeutung zukommt (135 ff.).
Als wichtiger Begriff wird „der Konflikt“ analysiert, den es als Parteien- und Urteilskonflikt geben kann, aber auch als inneren Konflikt (141 ff.).
Auch der Kausalität des Handlungsverlaufs (Freiheit / Notwendigkeit / Zufall) schenkt Asmuth Beachtung (149 ff.) und referiert Begriffe, mit denen die Abstufung der Handlung erfasst worden ist (156 ff.).

9. Wichtig ist das Kap. XII, wo es um die Aufführung eines Dramas geht: Aufführung ist eine Mischform von Literatur und darstellender Kunst (183).
Zwischen Autor und Schauspieler tritt der Regisseur, der in den Text eingreifen und bestimmte Aspekte betonen kann.
Die Mittel des Schauspielers sind Stimme, Mienenspiel, Gesten, körperliche Position und Bewegung, Kleidung und andere Zutaten (Perücke, Schminke).
Bühnenbild und Bühnenform sind von Bedeutung, ebenso die zeitliche Begrenzung einer Aufführung. Zum Schluss handelt Asmuth von der Illusion, deren Theorie (195 ff.) für die Schule eher nicht wichtig ist.

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