Die Fünf-Schritt-Lesemethode – eine Übersicht

Angeregt durch die Lektüre von Dr. Brenners Anleitung zum Lesen nach der Fünf-Schritt-Lesemethode, habe ich im Netz einmal nachgeschaut, was „man“ im Allgemeinen unter dieser Methode versteht. Ich hatte vermutet, dass es hier wie in der Bibel mit den 12 Aposteln zugeht: 12 Apostel müssen es sein, aber wer zu diesen Zwölf gehört, ist unklar; es gibt verschiedene Apostelkataloge – und noch mehr Unklarheit, wenn man zu den Zwölfen (wobei Judas bekanntlich bereits durch Matthias ersetzt wurde, Apg 1,15 ff.) wie üblich noch Paulus hinzuzählt, um dann trotzdem bei „Zwölf Apostel“ zu bleiben. Ich habe auf den vorderen Plätzen bei google unter „Fünf-Schritt-Lesemethode“ nachgeschaut und bin zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Ich dokumentiere hier die Ergebnisse zum 2. Schritt Fragen“:

http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/take5/sq3r.htm (Klaus Dautel): Nach dem ersten Eindruck vom Text sollten Sie konkrete Fragen an den Text formulieren. Die Fragen hängen von Ihrem konkreten Leseinteresse ab. Was interessiert Sie besonders an dem vorliegenden Text?

http://www.cornelsen.de/sixcms/media.php/386/603393_sample_s218.pdf (Cornelsen):

Um welche Sorte von Text handelt es sich?

W-Fragen: Wer?–Was?–Wann?–Wo?–Wie?–Warum?

http://www.westermann.de/pdf/978-3-14-290621-8-1-l.pdf (Westermann, die Datei ist nicht immer leicht zu öffnen): Fragen

• überlegen, um welche Fragen es in dem Text geht

• auf welche Fragen antwortet der Text

• zur Sicherheit die Fragen aufschreiben

http://www.rietschelsteinantike.de/4/download.php?filename=Arbeitsmethoden/Schwierige%20Texte%20leichter%20verstehen%20-%20Die%205-Schritt-Lese-Methode.pdf (unbekannt): Ihr überlegt, um welche Fragen oder Probleme es in dem Text geht. Ihr fragt: worum geht es und auf welche Fragen gibt der Text eine Antwort?

http://www.ig-lesen.at/media/Vpc_Basic_DownloadTag_Component/23-69-18-downloadTag/default/5ba6438e4d9cb7773a46572b9a652c77/5_schritt_lesemethode.pdf (nach Klippert 1994, nach F. P. Robinson 1946): Im zweiten Schritt überlege, worum es in diesem Text geht! Auf welche Fragen findest du Antworten?

http://www.zeitschriften-schule.de/unterrichtsmaterialien/5SchrittLesemethode.pdf (Zeitschriften Schule): Fragen notieren, auf die der Text eine Antwort gibt.

http://www.fo-net.de/Kommunikation/Rhetorik/Schriftliche_Kommunikation/Die_UF3A-Methode/die_uf3a-methode.html (fo-net): Nun beginnt man drei Fragen an den Text zu stellen:

Wozu brauche ich den Text?

Welche Probleme kann ich mit seiner Hilfe lösen?

Wie gut muss ich ihn beherrschen? Reicht bloßes Überblickswissen oder muss ich ihn anwenden können?

Das notwendige kritische Lesen wird durch folgende zusätzliche Fragen erleichtert:

    • Welche Botschaft enthält die Überschrift?
    • Wer hat den Text verfasst / veröffentlicht?
    • Enthält der Text einseitige Wertungen?
    • Lässt die sprachliche Form Rückschlüsse auf eine beabsichtigte Wirkung zu ?
    • Wirkt der Text beruhigend oder skandalisierend, soll er Neugier erzeugen?

Auswertung: Die Unklarheit kommt wohl dadurch zustande, dass es sich bei Robinson um eine Serie von fünf Merkwörtern handelt (wikipedia: Die Buchstabenfolge SQ3R steht für die fünf Worte Survey, Question, Read, Recite und Review.) und das zweite Merkwort „question“ heißt. In dieses Merkwort interpretieren manche hinein, was ihnen sinnvoll erscheint. Methodisch sinnvoll sind die bei Westermann gebotene Lösung und die dieser entsprechenden Lösungen: Welches Problem (welche Frage) bespricht der Autor (nicht der Text, der tut nichts, der dokumentiert nur etwas)? Es geht also um das fruchtbare Schema von Frage-Antwort, von Problem-Lösung.

Gerd Brenner (in dem im vorigen Beitrag besprochenen Arbeitsheft „Vertiefungsfach Deutsch“, Cornelsen 2010, S. 5) schlägt methodisch falsch vor, sich einen eigenen Erwartungshorizont zu schaffen und seine eigenen Fragen (zum Thema) an den Text zu stellen. – Wenn der Text darauf nicht antwortet, ist er es selber schuld, kann man dazu nur sagen: Falscher geht’s nichts. Ich habe vor einigen Jahren selber vorgeschlagen, wie man beim Lesen methodisch vorgehen soll, habe allerdings keine schöne Eselsbrücke gefunden: Hier steht der Vorschlag.  – Im neuen TTS von Cornelsen (2009) wird die 5-Schritt- zur 7-Schritt-Lesemethode ausgebaut, ohne dass sich etwas Wesentliches änderte: Zusätzlich soll zunächst das Vorwissen aktiviert und abschließend das Gelesene mit dem Vorwissen verknüpft werden.

P.S. fo-net überträgt das englische Kürzel SQ3R etwas gewaltsam mit ÜF3Aa ins Deutsche: Überblick / Fragen / Aktives Lesen (Rechtschreibfehler) / abschnittweise wiederholen / abschließende Gesamtwiederholung. Nun denn. Vor allem zu fo-nets, dann auch zu ähnlichen Vorschlägen ist Nietzsche zu zitieren: „Die schlechtesten Leser sind die, welche wie plündernde Soldaten verfahren: sie nehmen sich Einiges, was sie brauchen können, heraus, beschmutzen und verwirren das Uebrige und lästern auf das Ganze.“ (Vermischte Meinungen und Sprüche, Nr. 137)

2. P.S. Greifen wir auf Leute zurück, die Robinson wirklich gelesen haben (www.ic.arizona.edu):

SQ3R (Robinson, 1970) is a method for active elaboration of material that you read, say in a textbook. It consists of 5 steps. I’ll talk in terms of a chapter from the text, but this can be adapted to almost anything.

1. Survey (1 minute): Before beginning reading look through the whole chapter. See what the headings are — the major ones and the subheadings; hierarchical structures seem to be particularly easy for our brains to latch onto — check for introductory and summary paragraphs, references, etc. Resist reading at this point, but see if you can identify 3 to 6 major ideas in the chapter.

2. Question (usually less than 30 seconds): Ask yourself what this chapter is about: What is the question that this chapter is trying to answer? Or — along the curiosity lines — What question do I have that this chapter might help answer? Repeat this process with each subsection of the chapter, as well, turning each heading into a question.

3. Read (slower for some of us than others!): Read one section at a time looking for the answer to the question proposed by the heading! This is active reading and requires concentration so find yourself a place and time where you can concentrate.

4. Recite/write (about a minute): Say to yourself (I do this out loud so I have to study where I don’t embarrass myself) or write down (I sometimes do this in the margins of the book itself ) a key phrase that sums up the major point of the section and answers the question. It is important to use your own words, not just copy a phrase from the book. Research shows that we remember our own (active) connections better than ones given to us (passive), indeed that our own hierarchies are generally better than the best prefab hierarchies.

5. Review (less than 5 minutes): After repeating steps 2-4 for each section you have a list of key phrases that provides a sort of outline for the chapter. Test yourself by covering up the key phrases and seeing if you can recall them. Do this right after you finish reading the chapter. If you can’t recall one of your major points, that’s a section you need to reread.

This method works. It works for me and it has worked for many students in the past. If you have recommendations for how to improve it, I would welcome them for the „next edition“ of this mini-lesson.

* – In fact, one good way to remember the first list is to make it mean something, say by adding words: My dog always has a smoke when the question arises of just what life means — note here too that the humorous image adds an emotion making the sentence even easier to remember, although remembering which words were actually on the list may be a problem.

Reference

Robinson, Francis Pleasant. (1970) Effective study (4th ed.). New York: Harper & Row.

— Vgl. auch http://www.waiariki.ac.nz/documents/library/reading_technique.pdf

Fairerweise muss man zugestehen, dass es auch in der englischsprachigen Literatur die Version gibt, sich die eigenen Fragen an den Text bewusst zu machen. Das ist insofern nicht falsch, als man sich vergewissern sollte, was man selber sucht. Aber um den Text fair oder (bei aller Problematik) „objektiv“ zu verstehen, statt ihn nur opportunistisch auszuschlachten, muss man (zuerst!) fragen, welcher Frage der Autor nachgeht. – Man kann das Ganze auch noch komplizierter angehen, indem man die PQ4R-Methode (Thomas und Robinson, 1972) heranzieht … – Die sogenannte Fünf-Schritt-Lesemethode wird übrigens manchmal „Fünf-Schritt-Methode“ genannt.

Allgemeiner formuliert: Wenn ich dem Text gerecht werden will, muss ich prüfen, welche Frage(n) der Autor überhaupt beantworten will, damit ich ihm nichts Unsinniges unterstelle: Hermeneutik. Wenn ich den Text für meine Probleme auswerten will, muss ich im Auge behalten, welche Fragen ich habe, damit ich mich nicht mit für mich unbrauchbaren Passagen befasse: Arbeitsökonomie. – Die im Lehrbuch Cornelsens vorgeschlagenen W-Fragen sind die Fragen, die man an einen Bericht stellt, um das Wesentliche davon zu erfassen; sie stellen bei Berichten und berichtähnlichen Texten eine Variante zur Frage dar, welche Frage der Autor beantworten will (in Berichten: die W-Fragen).

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  1. Pingback: Vertiefungsfach Deutsch. Arbeitsheft mit Lösungen. Erarbeitet von Gerd Brenner. Cornelsen (2010) « norberto68

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