Wortarten, Wortklassen

Zunächst gibt es die bloßen „Lösungen“, die eine mehr oder weniger beliebige Anzahl von Wortarten aufzählen:

http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=175 10 trad. Wortarten

http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/wortarten-uebersicht/2511/ 9 Wortarten

http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grammatik/Wortarten.htm 11 Wortarten

Interessanter sind die Versuche, die erklären, wieso oder nach welchen Gesichtspunkten man Wortarten unterscheidet:

http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ueberblick/Wortklasse.html 9 Wortklassen

http://www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/synt/wort/wortart_0.htm 9 Wortarten

http://www.sprachentrainer.net/mliedke/GS_online/gs_8.html#deutsch (gute Übersicht mit verschiedenen Lösungen!)

http://de.wikipedia.org/wiki/Wortart (Überblick)

http://www.uni-siegen.de/fb3/lissie/materialien/09/flexion_verb/wa_gk.pdf (gut)

http://www.uni-siegen.de/fb3/personen/laser_bjoern/lehre/seminardownloads/grammatik_schule_do/gradoreferat9.sitzungbuschwortarten.pdf (zur Didaktik der Wortarten)

Es gibt im Internet unter dem Suchwort „Wortarten“ natürlich auch viel dummes Zeug…

Einen guten Hinweis, um die Verwirrung ein wenig aufzuklären, liefert die neue Duden-Grammatik (8. Aufl. 2009): Sie unterscheidet zwischen lexikalischen und syntaktischen Wortarten; d.h. sie beachtet, ob man ein Wort rein als solches (lexikalisch) betrachtet oder ob man danach fragt, was es im Satz (syntaktisch) leistet – wobei zu beachten ist, dass manche Eigentümlichkeiten von Wörtern „natürlich“ auch syntaktisch bedeutsam sind (Verben mit ihren Möglichkeiten als Prädikat des Satzes z.B.); vgl. auch http://coral.lili.uni-bielefeld.de/Classes/Summer98/Grundkurs98/Vorlesung/grundkursvorlesung/node9.html!

Als lexikalische Wortarten gelten allgemein das Verb (kann konjugiert werden), das Sustantiv oder Nomen (kann dekliniert werden, hat ein festes „Geschlecht“ und kann einen Artikel haben), das Adjektiv (kann dekliniert und im Allgemeinen gesteigert werden), das Pronomen (kann nach Fall und Zahl, teilweise nach Person dekliniert werden) und die nichtflektierbaren Wörter (alle anderen, die ihre Form nicht verändern können; sie heißen oft Partikel).

Wenn man die Unflektierbaren syntaktisch betrachtet, ergibt sich folgende Differenzierung: Die Adverbien (z.B. „oft“) können Satzglied oder Teil eines Satzgliedes sein, die anderen nicht. Bei den anderen unterscheidet man die Fügewörter von den Partikeln. Die Fügewörter werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Solche, die eine Wendung in einem bestimmten Fall nach sich ziehen (z.B. „bei“ + Dativ), heißen Präpositionen; solche, die das nicht tun, heißen Konjunktionen („weil, obwohl…“). Alle anderen heißen einfach Partikel: ein Sammelname für die Restgruppe. Das ist der Stand (bzw. ein Vorschlag) der „Grundzüge einer deutschen Grammatik“ (Berlin-Ost 1980).

Ulrich Engel (Deutsche Grammatik, 1988) kommt durch ein schlaues System auf 15 Wortarten. Was mir von ihm einleuchtet, ist die Wortart Determinativ (obligatorischer Begleiter eines Nomens: „der, dieser“); die Aufteilung der Junktoren in Subjunktor (leitet einen Nebensatz ein, früher: Nebensatzkonjunktion) und Konjunktor (verbindet gleichrangige Elemente, z.B. „denn“ oder „oder“, also nicht immer Sätze); die Modalpartikel (kann Antwort auf eine Ja/Nein-Frage bilden, z.B. „vielleicht“) und das Satzäquivalent (kann einen Satz ersetzen, z.B. „aua“) – hier zeigt sich aber auch gleich das Problem, dass die Modalpartikel ja auch einen Satz ersetzen kann, oder?

Hans Jürgen Heringer unterscheidet Wörter auch nach ihren „Funktionen“ (Kleine deutsche Grammatik, 1997, S. 9): bezeichnend seien Verb, Nomen und Adjektiv, verweisend sei das Pronomen, verbindend seien Konjunktion, Präposition und Adverb, kommentierend seien Partikel und Adverb. – Hier werden semantische und syntaktische Aspekte vermengt: ein Minus. Außerdem steht das Adverb in zwei Gruppen: noch ein Minus.

Jedenfalls ist Peter Eisenberg zuzustimmen, dass die Frage, wie viele Wortarten es nun „wirklich“ gibt, unsinnig ist: Als Forscher teile ich die Wörter mehr oder weniger übersichtlich (und unvollständig) nach bestimmten Gesichtspunkten auf, das ist alles. Jedenfalls ist „das Numerale“ oder Zahlwort keine Wortart, sondern eine Sammelgruppe unter semantischem Aspekt: „zwei, der zweite, drittens, Hunderte“, das sind zwar angeblich alles Zahlwörter, aber bestimmt keine eigene Wortart: Teils sind sie deklinierbar, teils nicht… Und der Bayerische Lehrplan kann zehnmal behaupten, es gebe zehn Wortarten und das Zahlwort sei eine von ihnen, so ist das alles andere als richtig – aber danach wird in Bayern nicht immer gefragt.

P.S. Leicht verständlich wird die Frage nach den Wortarten in Stefan Müller: Einführung in die Grammatiktheorie, 2010, S. 11-19 diskutiert. Man kann das Buch auf dieser Seite als pdf-Datei herunterladen.

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