Wie einer vom anderen abschreibt… Oder wie neue Lehrwerke für den Deutschunterricht entstehen

Bereits vor Jahren habe ich festgestellt, wie einer vom anderen abschreibt, wenn ein neues Lesebuch gemacht wird. Die einzige Veränderung ist die, dass der Unterrichtsstoff gelegentlich ein Jahr früher als beim alten Produkt angeboten wird, was dann zu Kafka-Texten in Klasse 9 führt… Ich brauche nicht zu betonen, wie absurd das ist.

Bei der Arbeit an Wedekinds „Frühlings Erwachen“ (1891) sehe ich jetzt wieder das gleiche Spiel. Es geht unter anderem um Schule um 1900, und da schreibt einer vom anderen ab, dass Stefan Zweig die große Quelle für Schulerfahrungen (und für die Sexualität gleich mit, das zweite und dritte Kapitel aus seinen Erinnerungen „Die Welt von gestern“) des 19. Jahrhunderts ist. Dabei ist Zweig recht einseitig – eine gute Quelle mit Analyse des Verhältnisses der Schüler zum Lehrer ist Freuds Aufsatz „Zur Psychologie des Gymnasiasten“ (1914). Den kennt aber (bis jetzt) keiner. Bin gespannt, ob demnächst jemand sich in Schulfragen auf den Autor Freud bezieht, ohne mich als Finder zu nennen.

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