sich auf eine Prüfung bzw. das Examen vorbereiten

Auf die Frage C.s, wie sie sich besser auf die Examensarbeit konzentrieren könne, ihr falle einfach nichts ein, habe ich und dann meine Tochter Hanna Folgendes geantwortet:
Was deine Frage zur Konzentration beim Schreiben angeht:
1. Mir hilft es, wenn ich die Gliederung dessen, was ich schreiben möchte, vorher notiert habe; dann kann ich den Text am Rechner entfalten. Aber am Rechner denken (= sortieren), das ist zu viel!
2. Nach zwei Stunden hast du eo ipso eine Pause von mindestens 15 Minuten verdient (und nötig!); da solltest du abschalten, etwas anderes tun, etwas trinken, dich bewegen (Gymnastik!). Und nach zweimal zwei Stunden brauchst du eine größere Pause: einkaufen o.ä. Mehr als fünf solcher Zwei-Stunden-Einheiten gibt ein normaler Arbeitstag nicht her, damit hast du ihn randvoll gepackt!
Eine Erfahrung: Beim Schreiben kommen einem neue Ideen; diese solltest du unbedingt notieren (oder farbig in den Text eintragen), um später die eigene Gliederung vielleicht noch umzukrempeln.
Was das Schreiben angeht, so ist das heute ja viel einfacher als früher: Man kann am Rechner so leicht einen Text überarbeiten, wie man es früher nie zu träumen gewagt hätte. Also: schreiben! Und dann später noch einmal überarbeiten: „Ist es das, was ich sagen will?“
„Schüler lernen Lernen“: Das ist der Titel eines wichtigen Buches von Regula D. Schräder-Naef (Beltz Verlag, 3. Aufl. 1987, in der 19. Auflage im Jahr 2000 unter dem Titel „Rationeller Lernen lernen“ erschienen). Eine Linksammlung: http://norberto42.kulando.de/post/2007/09/13/lerntipps
Erfahrungen meiner Tochter aus ihrem gerade bestandenen Examen:
I. Erst mal natürlich die allgemeinen Tipps zur Organisierung des Lernstoffs:
Zeitplan machen – wann ist Examen, wie viele Wochen/Monate sind bis dahin, bis wann will ich erstmals mit dem Stoff durch sein, wie viele Monate/Wochen hab ich bis dahin, Lernstoff auf diese Monate/Wochen aufteilen und immer zu Wochenbeginn den Lernstoff der Woche auf die Tage aufteilen.
Dabei:
– Wiederholung einplanen (z.B. immer am Abend den Stoff des Tages oder am nächsten Morgen eine kurze Analyse: wo steh ich gerade o.ä.)
– Abwechslung einplanen (Lernphasen und Anwendungsphasen (Aufgaben/Übungen u.ä.), ggf. Lerngruppe zu Abprüfung des Stoffes, aber nicht mit engen Freunden, sondern besser mit Leuten, die man nur flüchtig kennt und die auf einem ähnlichen Lernlevel sind
– System verwenden, mit dem man selbst klarkommt (Karteikarten oder Skripte schreiben, in denen man alles zusammenfasst; selbst Diagramme erstellen etc)
II. Wenn man merkt, dass man grad nichts aufnimmt: aufhören! Nicht dasitzen und das Buch anstarren, sondern dann raus, Sport machen oder sonstige Dinge machen, die erledigt werden müssen, wie spülen/putzen u.ä.!
III. Aufpassen, dass man sich abends oder am WE noch Zeit zur Entspannung nimmt für Sport/Freunde treffen! Lieber 8 h am Tag konzentriert arbeiten und dann abends noch was Schönes machen, als dass man jeden Tag 10 h dasitzt und nichts schafft, weil man immer frustrierter wird.
IV. Nur dann mit Leuten aus dem Semester über das Examen reden, wenn das einen nicht kirre macht! Ansonsten solche Gespräche, die einen verrückt machen, konsequent vermeiden!
V. Weiß nicht, inwiefern das jetzt für Jura nur gilt oder man das verallgemeinern kann: Probeklausuren schreiben und die Korrektur sorgfältig durcharbeiten, egal wie frustrierend das ist, weil man nichts gekonnt hat. Dabei ganz ehrlich zu sich selber sein und sich eingestehen, was man nicht konnte und warum. Ggf. selbe Klausur noch mal schreiben und versuchen, es jetzt richtig zu machen.
VI. Noch zur Zeitplanung: realistisch planen und Pufferzeiten einplanen.
Und herausfinden, wie man am besten lernt und dementsprechend das Lernen ausrichten (besser morgens/nachmittags/abends; besser in der Bibliothek oder besser zu Hause; Stör-/Ablenkungsquellen ausschalten)!
C. schrieb mir am 1. Juli:
Ich glaube, dass ich heute „die“ Lösung gefunden habe. Meine Freundin, die Jura studiert und im Moment ihr Häusliche Arbeit schreibt, hat mich davon überzeugt, heute mal mit in die juristische Bibliothek zum Lernen zu gehen. Es gefiel mir erstaunlicherweise richtig gut dort, sodass ich konzentriert meine Aufgaben angehen konnte, ohne von anderen Dingen abgelenkt zu werden. Nach dem Lernen bin ich joggen gegangen und nun bin zufrieden und entspannt.
Wenn ich die nächsten Tage/Wochen weiter in diesem Rythmus arbeiten kann, bin ich echt glücklich!
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2 thoughts on “sich auf eine Prüfung bzw. das Examen vorbereiten

  1. Obgleich es nicht unmittelbar mit diesem Beitrag in Zusammenhang steht, wusste ich keinen besseren Platz, meine Frage thematisch passender zu stellen. Ich bitte daher um Entschuldigung, falls der Kommentar deplatziert erscheint.

    Liest man Ihren alten Unterrichtsblog »studioD« (http://www.bloghof.net/studioD), fallen die Uhrzeiten auf, zu denen Sie ihre Beiträge veröffentlich haben. Beispielsweise wurde der Beitrag in der Rubrik »Studio D13« vom Dienstag, dem 06.03.2007, um 01:41 Uhr veröffentlicht. Ich weiß, dass es eine persönliche Frage ist und würde daher auch eine inhaltliche Beantwortungsabsage vollkommen verstehen, doch verwundern mich die Uhrzeiten. Haben Sie stets so lange gearbeitet oder ist es ein Fehler der Blogsoftware? Sofern Letzteres der Fall ist, ist meine Frage hinfällig; wenn nicht, will ich meine Reaktion erklären: Die Verwunderung ist vor allem darin begründet, dass Sie, so lässt es sich zumindest aus dem erwähnten Beitrag folgern, derart diszipliniert Ihre Aufgaben zu Hause bearbeitet habe, obwohl Sie am nächsten bzw. bei diesen Uhrzeiten am selben Tag wieder die Schule für den Unterricht aufsuchen mussten.

    • Hallo, Katja,
      die Uhrzeiten stimmen – ich habe öfter abends lange geschrieben, aber natürlich nicht immer bis nachts halb zwei. Ich denke, dass man (nur) durch Disziplin einiges schafft, durch langfristig regelmäßiges Arbeiten. Dabei stelle ich persönlich für mich fest, wie oft ich trödele oder getrödelt habe, etwas angefangen und nicht zu Ende gebracht habe… Das heißt, ich hätte viel mehr schaffen können. Aber das nur am Rande.
      Wichtig wäre es, den Schülern etwas von der Haltung „langfristig regelmäßig arbeiten!“ beizubringen; aber wie soll das gehen, außer dass man es selber vormacht? Derzeit (resp. vor meiner Pensionierung 2007) war zumindest die Sek II auf das kurzfristige Punktesammeln ausgerichtet, und die Beratung der Schüler lief aufs Slalomlaufen hinaus: die Hindernisse umgehen. Damit macht man Menschen nicht studierfähig.
      Vielen Dank jedenfalls für das Interesse an meinem Arbeitsstil!

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