Funktionen der Sprache – argumentative Funktion

Zunächst verweise ich auf einige Aufsätze, die ich zum Thema Kommunikation bzw. Kommunikationsmodelle sowie über das sprachliche Handeln geschrieben habe:

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/sprechakte-sprachliches-handeln/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/organonmodell-karl-buhlers/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/kommunikation-kommunikationsmodelle-anmerkungen-links/

Karl Bühler hat in seinem Organonmodell die Einsicht festgehalten, dass ein Sprecher mit dem, was er sagt, etwas tut (handelt); dass er die Sprache wie ein Werkzeug (griech. órganon) gebraucht. Hinter diese Einsicht kommen wir nicht zurück.

Konkret hat Bühler drei Funktionen in seinem Modell benannt: dass der Sprecher in seiner Äußerung etwas von sich selbst „ausdrückt“, dass er mit seiner Äußerung an einen Partner „appelliert“ (= zu einem Handeln auffordert), dass er durch seine Äußerung über etwas in der Welt eine Mitteilung macht (etwas „darstellt“).

Auf Bühlers Modell bauen viele Versuche auf, mit denen man das Modell verbessern wollte. Was mich hier interessiert, ist vor allem die Idee, eine weitere Funktion der Sprache darin zu sehen, dass sich eine Äußerung auf die Sprache selbst bezieht. Damit kann die von Jakobsen so genannte poetische Funktion gemeint sein (vgl. http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/jakobson.htm

http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/f/FUNKTIONEN%20DER%20SPRACHE%20Funciones%20del%20lenguaje.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Ossipowitsch_Jakobson),

wenn es um die Sprache um ihrer selbst willen gehen soll; es kann auch die argumentative Funktion gemeint sein, auf die Karl Popper hingewiesen hat (vgl.

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/Internet/ArbeitsblaetterOrd/LERNTECHNIKORD/GEDAECHTNISORD/BRANDL97/Brandl97.html

http://olliwendt.twoday.net/stories/1480065/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/theoretische-texte-analysieren-textanalyse-1/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/sachtexte-und-theoretische-texte-analysieren-textanalyse-2/;

damit ist gemeint, dass man eine Äußerung von ihrem Sprecher ablösen und sie als solche diskutieren kann: prüfen kann, ob sie „wahr“ ist. Diese Möglichkeit liegt der Idee eines vernünftigen Gesprächs bzw. eines rationalen Diskurses zugrunde. Die beteiligten Sprecher, ihre Macht, ihre Interessen, ihre Gefühle sollen [Postulat!] keine Rolle spielen, wenn es darum geht, eine Äußerung auf ihre Wahrheit zu prüfen.

In seinem Buch „Miteinander diskutieren“ (1994) hat Jürgen August Alt einige Faktoren benannt, welche der vernünftigen Argumentation Grenzen setzen:

– der Zeitdruck, unter dem ein Gespräch zu einem Ergebnis kommen muss;

– ungleiche Machtverteilung zwischen Gesprächspartnern;

– mangelnde Fachkompetenz einzelner bzw. begrenzte Kompetenz aller;

– keine Möglichkeit, während des Gesprächs bestimmte Thesen zu überprüfen;

– starke Betroffenheit eines Gesprächsteilnehmers;

– Bedürfnis nach Harmonie statt „Streit“, wenn man mit einer Auffassung allein steht  …

Man müsste sehen, dass die Forderung nach einer vernünftigen Diskussion auch davon ablenken kann, die Interessen bestimmter Sprecher in den Blick zu kriegen; dass also die plausible Forderung nach einer vernünftigen Diskussion ideologischen Charakter tragen kann. – In einer endlosen vernünftigen Diskussion kann jedoch auch gefragt werden: Wem nutzt eine bestimmte Theorie, eine Forderung, ein Vorschlag, eine Erklärung …? Dann käme das ans Licht, was man mit dem vorschnellen Hinweis auf bestimmte Interessen bereits sagen wollte.

Fazit: Auch die argumentative Funktion des Sprechens bezeugt, dass Sprache letztlich ein Werkzeug in der Hand eines Sprechers ist; man kann allenfalls versuchen, daraus keine Waffe zu machen.

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